erstellt von: krawatten, am 15.02.2011 11:39 , Clicks: 15833

Grübchen oder nicht?

Verfechter klassischer Kleidungskultur sind sich nicht immer einig. Sonst wäre das Leben ja reichlich langweilig. Häufig genug aber werden Auseinandersetzungen geführt, die schnell den Eindruck von Kreuzzügen oder Glaubenskriegen erwecken. Da streiten Anhänger des italienischen Stils mit Savile-Row-Afficcionados, amerikanische mit englischen Krawattenherstellern, und manche Themen werden einfach nie ausdiskutiert sein.

Eines dieser Themen, das für einige schon zum Dogma geworden ist, ist die Frage, ob die kleine Delle, die man unterhalb des Krawattenknotens sehen kann, ein modisches Stilmittel oder eine Nachlässigkeit sei. Ein Krawattenknoten hat glatt zu sein, sagen die einen. Sonst sehe die Krawatte nachlässig aus. Gerade unter Anhängern der älteren Generation sind diese Meinungen oft zu finden, selten allerdings bei regelmäßigen Krawattenträgern.

Andere wiederum verbringen lange Zeit vor dem Spiegel, um eine perfekt geformte Delle in ihren Binder hinein zu manövrieren, so dass man sich schon fast wieder in die Zeit zurück versetzt fühlt, als Vorzeigedandy und Modeidol Beau Brummel bis zu drei Stunden für das Knüpfen seiner Halsbinde benötigte.

Merkwürdigerweise sind die meisten Befürworter des „Dimple“ unter Menschen zu finden, die sich intensiv mit dem Thema befasst haben. Der wahre Kenner wird an diesem kleinen Grübchen in der Krawatte sofort erkennen: Hier läuft ein Mann, der sich Gedanken über sein Aussehen macht und in der klassischen Herrenmode zu Hause ist.

Denn die Wirkung der Krawatte am Kragen ist gleich eine andere. Die Seide der Krawatte wirkt gleich viel voluminöser, elegant gestylt statt nur umgebunden. Vielleicht ist es mit dem „Dimple“ ähnlich wie etwa mit der Art, ein Einstecktuch zu falten. Auch dort falten manche Konservative es messerscharf viereckig und richten es exakt parallel zur Brusttasche aus. Andere wie zum Beispiel seinerzeit der große Fred Astaire, stopfen es einfach kunstvoll in die Tasche und werden damit zum modischen Vorbild.

Wenn Sie diesen kleinen, aber feinen „Final Touch“ anwenden wollen – und optisch lohnt es sich in jedem Fall - , dann drücken Sie ein kleines Grübchen unter der Mitte des Knotens hinein, bevor Sie die Krawatte endgültig festziehen.

Und wenn Ihnen dann jemand entgegentritt: „Ihre Krawatte ist unsauber gebunden“, lächeln Sie nur mit dem überlegenen Gesichtsausdruck von jemandem,der es besser weiß.

Bei einer glatten, dünnen Seidenkrawatte wird dieser Luxus leider nicht lange halten. Ab geeignetsten sind schwere Jacquardkrawatten, gerne mit gerippter oder grob gewebter Struktur.


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Der Dreieckige: Der Plattsburgh
Der Voluminöse: Der Hannoveraner
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